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Süd-Indien Februar 2018

Aktualisiert: 8. Juli

Die Bilder-Galerie findet ihr am Ende des Beitrages!


Nach einer anstrengenden Saison planten wir für den Winter eine einmonatige Auszeit in Indien. Wir hatte Freundschaft geschlossen mit indischen Gästen, die ihre Flitterwochen bei uns auf Mallorca verbrachten. Eine Gegeneinladung ward ausgesprochen und nach einer gründlichen Planungsphase starteten wir in das „Abenteuer Indien“.


Die Fotoserie findet ihr am Ende des Berichts!

Ein Monat Abenteuer in Indien

Indien, wir kommen…

Wir starten am 7. Februar 2018 in unserer Wahlheimat Mallorca, fliegen nach Frankfurt und tags darauf weiter mit einem Lufthansa Direktflug nach Indien.

Nach einem ruhigen und angenehmen Flug landen wir um 2 Uhr nachts in Bangalore. Die Einreise nach Indien entpuppt sich als nicht ganz unproblematisch, da ich offensichtlich das falsche Dokument ausgedruckt hatte. Nicht weiter schlimm, denn mein Iphone weiß ALLES und hat glücklicherweise das richtige Dokument in seinem E-mail Speicher. Wir dürfen passieren, grüßen höflich die mürrischen Einreise-Beamten und atmen zum ersten Mal indische Luft.

Nun, Bangalore ist jetzt nicht gerade ein Luftkurort... Es riecht nach Abgasen und mir kommt der Skandal über beschönigte Abgaswerte namhafter deutscher Automobilhersteller in den Sinn. Meine Nase bescheinigt mir, im Vergleich zu dem, was die Motoren hier ausstoßen, ist das geradezu grotesk.

Wir winken ein Taxi heran, lassen uns nach Bangalore bringen und suchen zusammen mit dem Fahrer das Haus unserer Freunde Shankar und Pryia. Zur Verdeutlichung: Bangalore hat 8,5 Millionen Einwohner lt. Wikipedia, aber man belehrt uns eines besseren und korrigiert die Zahl auf ca. 16 Millionen. Ich muss belustigt daran zurückdenken, wie ich mit meinem damals 60-jährigen Vater und 2 Trollies im Schlepptau die Inhaberin eines Bed&Breakfast in London, Mrs. Miller (ein eher „seltener“ englischer Name *ACHTUNG IRONIE*) gesucht habe und stelle fest, dass das bei weitem einfacher war… Dank Google Maps und meiner generalstabsmäßigen Planung kostet mich das Dirigieren des Taxifahrers (der seit geraumer Zeit hilflos umherirrt) per Handy-GPS mit meinem spanischem Mobilfunkvertrag auch nur 100€, was ich einer SMS meines Anbieters am nächsten Tag entnehme. Ich werde mir also schleunigst eine indische SIM-Karte besorgen…

Bangalore

Nach einem herzlichen Wiedersehen mit unseren indischen Freunden und einer kurzen Nacht schauen wir uns nun Bangalore bei Tag an. Es ist aufregend hier! Die Gefahr, an schlimmen Krankheiten zu sterben, ist gering im Vergleich zum Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalles! Der Straßenverkehr ist die Hölle, und mittendrin in der Rushhour stehen… Kühe - so ruhig als grasten sie auf der Weide. An Fahrrad fahren geschweige denn was Motorisiertes ist hier als Europäer nicht im Traum dran zu denken - über die Straße laufen ist schon lebensgefährlich! Wir genießen den Abend zusammen mit Shankar und Pryia in einem tollen Restaurant mit Blick über die Dächer Bangalors und freuen uns auf die Wochen, die vor uns liegen.

Bandipur Safari Lodge

Ein Cab (Auto mit Fahrer) fährt uns von Bangalore nach Bandipur. Die Fahrt dauert 4,5 Stunden und wir sehen viel vom ländlichen Indien. Angekommen im Tiger Camp, checken wir ein in unsere Lodge und freuen uns auf die abendliche Safari im Dämmerlicht. In der Hotel Lobby hängen tolle Fotos von den letzten wild lebenden indischen Tigern, die man hier wohl noch zu sehen bekommen soll.

Mit Besteigen des Safari-Jeeps fängt es an zu regnen und hört für die komplette Dauer der Safari nicht mehr auf! Natürlich sind wir nur mit T-Shirt und dünner Hose bekleidet. Pudelnass und durchgefroren kehren wir zurück in die Safari Lodge. Der angepriesene Tiger… Fehlanzeige. Nur immer wieder der Hinweis, dass man letzten Monat einen gesehen habe. Wir beschließen, wir würden auch keinem Touristen erzählen, dass der letzte Tiger schon lange ausgewandert ist :-) die Tatsache, dass die Wildhüter, die die Jeeps fahren, keinerlei Waffen, Betäubungsgewehre oder sonst was dabei hatten, bestärkt uns in unserem Glauben.

Auch die Safari am nächsten Morgen beschert uns keine Tiger-Sichtung. Dafür werden wir entschädigt mit einer unglaublich mystischen Stimmung in der Morgendämmerung im Regenwald. Fast surreal wirkt der dichte Dschungel, viele fremdartige Vögel flattern auf, Rotwild wechselt, wir sind von der Schönheit der Natur hin und weg… Sonnenaufgang im indischen Regenwald!

Mysore

Wir fahren weiter nach Mysore (ca. 2 Mio Einwohner) und checken ein in ein geschichtsträchtiges Backpacker Haus aus dem Jahre 1907. Zum ersten Mal sehen wir in Indien weiße Gesichter aus allen möglichen Nationen - Europäer, Australier, Südafrikaner… hier steigt scheinbar jeder ab, der mit Rucksack unterwegs ist. Das Haus hat Flair. Man gewinnt den Eindruck, ein jeder Reisender hat sich hier in irgendeiner Form verewigt, sei es durch Wandgemälde, an der Wand hängende Instrumente, Graffitis oder Tonfiguren.

Der nächste Tag fängt früh um 5 Uhr an. Wir steigen 1000 Stufen zum Chamumdi Hill Temple hinauf. Ich erinnere mich während des Aufstiegs an den Adams Peak in Sri Lanka, den ich 2008 erklommen habe - nur hatte der 5200 Stufen… es ist nicht einfach nur Treppensteigen, es ist eine Art Pilgerwanderung zusammen mit vielen gläubigen Buddhisten. Monotoner Singsang eines heiligen Mantras begleitet uns. Einige tragen Farbbeutelchen mit sich und markieren gebückt jede (!) der 1000 Stufen mit einem Farbtupfer. Wir erreichen das Kloster bei Sonnenaufgang, lassen die Ruhe dieses Ortes auf uns wirken und steigen wieder hinab, um uns bei einem Frühstück bei der Tante unserer Gastgeber zu laben. Die nette ältere Dame, die früher die hiesige Schule geleitet hat, ist 62 und läuft diesen Berg JEDE WOCHE einmal hoch zur körperlichen Ertüchtigung. Ihr Arzt hat Ihr das als Vorbeugung gegen altersbedingte Krankheiten geraten.

Wir verabschieden uns pappsatt und erkunden Mysore auf eigene Faust und besichtigen den Palace of Mysore und den Devaraja-Market. Man bewegt sich in der Stadt mit Tuk Tuks, motorisierte Dreiräder mit Mofamotor und Kabine für 2 Personen. Die Kosten für eine Fahrt in der Stadt liegen bei ca. 40 Cent. Es gibt 1000e von den Dingern. Du kriegst immer eins. Die Fahrt ist Abenteuer pur!

Dubare Elephant Camp

Wir verlassen Mysore.

Auf unserem Weg besuchen wir ein Kloster, nehmen teil an einer buddhistischen Zeremonie und am gemeinsamen Mittagessen. Wir nehmen einen Blechteller entgegen, gehen zu einer Art Gulaschkanone, wo man uns Reis und Curry auftut und gesellen uns zu den Gläubigen. Wir sitzen zusammen auf der Klostermauer und versuchen, es den Indern gleich zu tun, die geschickt mit ihren Händen Sauce und Reis vermengen und sich die kleinen Häufchen in den Mund schieben. Es sieht viel leichter aus als es ist. Wir werden - wie noch so oft - um Selfies mit den Indern gebeten. Nach dem Essen waschen wir den Blechteller unter fliesendem Wasser, verabschieden uns von den Mönchen und fahren weiter zum Elefanten Camp.

Wir beziehen unsere Hütte, die direkt am Wasser liegt. Warnschilder laden zu einem Bad mit den dort lebenden Krokodilen ein… wir bevorzugen die Dusche, denn gleich geht’s wieder auf Safari.

Mit einem klapprigen Jeep holpern wir quer durch den Dschungel. Nach einer gefühlten Ewigkeit und vielen Vogelbeobachtungen stoppt der Jeep abrupt und wir erblicken einen wilden Elefantenbullen im dichten Regenwald. Er lässt sich durch uns nicht stören und labt sich an den Blättern eines Baumes. Wir sehen ihm gebannt eine Weile zu und setzen unsere Fahrt fort. Ein Bison lässt sich noch kurz blicken und wir erleben wieder ein paar Wildwechsel einer einheimischen Hirschart, die wir schon bei der letzten Safari gesichtet hatten.

Am nächsten Morgen dürfen wir den Mahuts, so nennt man die Pfleger der Elefanten, beim Waschen der Riesen helfen. Die Elefanten sind unfassbar groß und wir nehmen mit großem Respekt Körperkontakt zu den Tieren auf. Die hier ansässigen Mahuts sind ein eigener Volksstamm, die nie eine Schule besucht haben. Sie leben mit ihren Familien etwas außerhalb des Camps und kümmern sich um die Tiere. Jeder Elefant hat 2 Mahuts, falls einer mal ausfällt. Die Tiere lassen niemand anderen an sich heran ohne ihren Mahut. Es gibt 1-2 mal jährlich schlimme Unfälle bei denen Mahuts zu Tode kommen, wenn die Elefanten in der Paarungszeit sind. Dann sind sie unberechenbar. Ein riskanter Job. Die Kinder der Einheimischen fangen mit 3 Jahren an, von alten Mahuts ausgebildet zu werden. Die Verbindung vom Elefant zu seinen beiden Mahuts dauert ein Leben lang.

Coorg, das Schottland Indiens

Wir fahren hinauf ins Gebirge und residieren für eine Nacht in einem Resort, das auf dem Gipfel des Regenwaldes thront. Der Ausblick ist schier unendlich und atemberaubend. Man nennt die Gegend um Coorg hier das Schottland Indiens. Es ist immer etwas neblig und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch.

Wir verlassen das Resort am nächsten Morgen und fahren noch kurz nach Coorg, um wilden Honig und Kaffee zu kaufen (dafür ist die Gegend bekannt). Wir sind die Exoten hier im Süden Indiens. Außer in dem Backpackerhaus in Mysore sehen wir nirgendwo Weiße. Immer wieder werden wir von Indern gefragt, ob sie ein Selfie mit uns aufnehmen dürfen.

Nun geht es erst 2,5 Stunden mit dem Auto und dann 3 Stunden mit dem Zug weiter nach Bangalore, zurück zur Basisstation bei unseren Freunden. Wir fahren durch Kleinstädte und Dörfer. Aus dem Autofenster fange ich das normale, tägliche, ländliche Leben im Foto ein.

Die indische Bahnhofstoilette im Warteraum 1. Klasse für Damen ist erstaunlich sauber, aber es gibt wie überall in Indien kein Toilettenpapier, nur einen Wasserhahn, einen Eimer mit Wasser und einen kleinen Becher. Die Tante unserer Freunde hat mich mit der Handhabung indischer Toiletten vertraut gemacht und mir deren hygienische Vorzüge erklärt. Ich beuge mich der vorhandenen Realität und lerne damit umzugehen.

Den richtigen Zug zu erwischen ist für uns Europäer nur möglich durch viel fragen und darauf vertrauen, dass einem die richtige Richtung gewiesen wird. Es ist fast alles in Sanskrit angeschrieben... Englisch wird meist nur unverständlich mit starkem indischen Akzent oder gar nicht gesprochen. Aber wir sitzen letztlich im richtigen Zug und er rollt, erstaunlich ruhig. Es ist ein „EXPRESS“, von der Schnelligkeit vergleichbar mit unserer Bummelbahn, wenn sie in den Bahnhof einfährt. Wir buchen Sitzplatzreservierung mit Aircondition, 1. Klasse. 145 km - 2 Personen - umgerechnet ca. 6€. Die Sitze gleichen denen einer ausrangierten „Tante U“ und sind entsprechend bequem… wir erreichen am Abend Bangalore. Es erwartet uns wieder nur eine kurze Nacht.

Goa - Himmel der Hippies

Das Taxi bringt uns um 03:45 morgens zum Airport. Wir nehmen die Morgenmaschine nach Goa, kleinster und reichster Bundesstaat Indiens und Geburtsstätte der Hippies in den 60ern. Nach einem einstündigen Flug fahren wir weitere 1,5 Stunden in den Norden Goas. Der Spirit hier ist völlig anders. Der Verkehr ist entspannter, es ist sauberer, der Taxifahrer hört Bob Marley... Hippie-Feeling kommt auf :-)

Wir kommen im Resort an und beziehen unsere Bambushütte, die wenige Meter vom indischen Ozean entfernt liegt. Es ist alles sehr sehr einfach gehalten. Den Tag verbringen wir schlafend am Strand und erholen uns vom Stress der Großstadt, den Abgasen und dem Lärm, bis der Halbmond am Himmel steht.

Und jetzt erst bemerken wir, dass ein Hammer die Mondsichel kreuzt und Nord Goa in traditioneller Manier übernommen hat...... die Speisekarte in Englisch und Russisch geschrieben bestätigt unsere Befürchtung. Techno Musik brüllt aus den Boxen des Nachbarresorts, zwei Männer reiben sich weißes Pulver aufs Zahnfleisch - Speed, Koks, wir wissen es nicht - kleine Kinder spielen direkt daneben. Der Vodka läuft in Strömen. Wir flüchten vor dem Lärm und beschliessen, wo anders zu Abend zu essen. Hippies? Weit gefehlt.....

Ein Fisch-Restaurant lockt mit seinem „Catch of the day“. Nach der Begutachtung des Fang des Tages (wir sind sicher, es ist der Fang von vor 3 Tagen) sagt uns unser gesunder Menschenverstand, wir sollten besser weiterhin tierische Produkte meiden. Wir tun gut daran, uns seit Tagen vegetarisch zu ernähren, denn bisher geht es uns bestens und das Essen ist köstlich!

Als wir in unsere Bambushütte zurückkehren, sind die Beats verstummt und die Nacht verläuft ruhig.

Tags darauf steht ein Besuch des samstäglichen Nacht Marktes auf dem Programm. Buntes Treiben, eine Live Band spielt und unzählige Touristen feilschen mit den Händlern. Ein paar europäische Aussteiger versuchen hier ihr Glück als Marktverkäufer. Es ist eine Mischung aus Münchner Tollwood und Ibizas Hippie Märkten und für uns eine willkommene Alternative zum Techno-Beat im Resort.

Check out am nächsten Morgen. Nach einer freundlichen, aber bestimmten Diskussion mit dem Resort Eigentümer ob der hygienischen Zustände der Bambushütten, die selbst für Indien untragbar sind, zeigt sich dieser beschämt und einsichtig und wir einigen uns auf die Hälfte des Preises. Wir unterhalten uns noch lange mit einem jungen Inder, der für die Saison nach Goa kommt und im Service arbeitet, da es in seiner Heimat Himalaya keine Arbeit gibt. Traurig erzählt er uns, dass die 90% russische Belagerung der Region nicht gut tut. Der Spirit Goas zählt nicht für diese Touristen. Open-Air-Discos am Strand, billiger Alkohol und harte Drogen hinterlassen ihre sichtbaren Spuren.  

Wir verlassen Nord Goa ohne Wehmut und fahren knappe 3 Stunden in den Süden. Taxi fahren in Goa ist eine relativ teuere Angelegenheit, da die Taxifahrer sich zu einer Art Mafia zusammengeschlossen haben und die Preise diktieren. Es ist unter Strafe streng verboten, den Preis zu unterbieten oder gar privat günstigere Fahrten anzubieten.

Goas Reichtum können wir nur anhand weniger abseits gelegener Villen erahnen. Verfall prägt das Bild. Viele der Eisenmienen haben schließen müssen, denn die Bevölkerung wurde krank von der massiven Umweltverschmutzung bedingt durch die Schwer-Industrie. Große Wälder wurden gerodet. Das Ende eines Mythos?

Das Auto quält sich die letzten Kilometer über holprige Pfade und wir erreichen unser nächstes Ziel: Khaama Kethna, ein ganzheitliches, veganes Selbstversorger-Bio-Resort mitten im Dschungel. Unser Baumhaus mit verschiedenen Etagen knarzt in den Baumwipfeln, Außen-Bad und Freiluft-Toilette vermitteln ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit mitten in der Natur. Tropische Vogelstimmen und Frösche, Blätter rascheln geheimnisvoll, der Dschungel zieht uns in seinen Bann...

Gefährliche Begegnung im Hinterland Goas

Das Einschlafen und Erwachen in der Baumkrone im Dschungel ist unbeschreiblich schön mit all den Tierstimmen. Der Strand ist unendlich, aber wir sind etwas verwöhnt durch das kristallklare Wasser Mallorcas. Nein, die Strände des indischen Ozeans können mit unserer Perle im Mittelmeer bei weitem nicht mithalten!

Die Strandpromenade ist voll mit Touris und Kitsch-Läden und jeder, der AYURVEDA schreiben kann, wirbt damit. Wir beschließen einen Scooter für 2 Tage zu mieten (der Verkehr ist hier entspannt) und abseits der Touristenpfade das Hinterland Süd Goas zu erkunden.

Nach wenigen Kilometern außerhalb des Touristengebietes geht es ins kurvige Bergland. Geld fließt nur dort, wo die Touristen sind, nicht hier oben. Die Armut der Menschen ist spürbar. Frauen arbeiten hart im Straßenbau. Sie tragen große schwere Steine auf ihren Köpfen oder schuften mit Schaufel und Pickel. Die Gegend aber ist wunderschön, große Milane kreisen über uns.

Wir fahren eine scharfe Kurve an und vor uns windet sich plötzlich eine erschreckend große Schlange nervös über die Straße! Wir haben Gegenverkehr, hinter uns Autos, keine Chance zu bremsen oder auszuweichen. Es bleiben nur wenige Zentimeter zwischen ihrem Schwanzende und dem Straßenrand, um hinter ihr vorbeizufahren und nicht vor ihrem Kopf. Knapp verfehlen wir sie und ihr geblähtes Nackenschild verrät mir ihren Namen durch eine eindeutige Zeichnung: es ist eine Brillenschlange, eine tödlich giftige KOBRA... wir hatten großes Glück! Eine Kollision mit dieser Schlange wäre ziemlich sicher schlecht ausgegangen. Unser Bedarf an Wildlife Adventure ist erst mal gedeckt....

Warum ich gleich wusste, welche Schlange es ist? Nun, mein Großvater hat mir als kleines Kind wieder und wieder die Schlangen in einem Tierlexikon erklärt und vor der Brillenschlange, die darin abgebildet war, habe ich mich so gefürchtet, dass ich mich nicht alleine getraut habe, die Seite anzuschauen! Deswegen wusste ich sofort, welche Kobra das ist und wie gefährlich die Situation war! Ich hätte wirklich was dafür gegeben, dieses Erlebnis mit ihm jetzt teilen zu können.

250 km Scooter fahren ist anstrengend, aber lohnenswert. Wir nehmen viele schöne Eindrücke vom Süden Goas mit. Riesige Jack-Frucht-Bäume, Bananenstauden vor den Hütten, Goa hat schon was paradiesisches! Kinder in Schuluniformen lachen und winken. Es gibt Schulen, also gibt es Bildung, ergo besteht die Chance auf ein besseres Leben.

Abends fliegen wir zurück nach Bangalore - die Millionenstadt empfängt uns mit gewohntem Hupkonzert und undurchdringlichem Verkehr. Reisen ist anstrengend, macht aber glücklich :-)

Ganz schön Kuhl

05:30 morgens... wir treten zusammen mit unseren indischen Freunden die 7 stündige Fahrt nach Pondicherry im Süd-Osten Indiens im Bundesstaat Tamil Nadu an.

Wir kommen durch kleine Dörfer und besuchen einen Markt. Die feilgebotenen Fische und Meeresfrüchte sind bedeckt von Fliegenschwärmen und gammeln in der glühenden Sonne vor sich hin. Erneut widerstehen wir tapfer der Versuchung, uns eine Fischvergiftung einzuhandeln. Der Organismus der Einheimischen ist scheinbar an die unhygienischen Bedingungen gewöhnt. Für uns hätte es katastrophale Folgen. Aber auch unsere westlich orientierten indischen Freunde würden hier nichts Essbares kaufen...

Wir erreichen die Farm von Priyas Onkel. Er ist ein wohlhabender Geschäftsmann und tiefgläubiger Hindu, der die Farm als Hobby unterhält und damit viel Gutes tut. 20 Familien haben durch ihn ein gesichertes Leben und leiden keine Not. Sie wohnen in Hütten unweit der Farm. Er stellt die Farm diesen Menschen zur Verfügung und erfreut sich dafür an dem Farmleben, wenn er ein Wochenende dort verbringt. Ein sehr friedlicher und sauberer Ort mit Emus, Hühnern, Rindern und vielen Hunden (ehemalige Straßenhunde, die er hat kastrieren lassen und die nun nachts frei laufen und die knapp 80 Hektar Land schützen). Ein Tierarzt kommt 1x pro Woche und auch aus den umliegenden Dörfern können die Leute ihr krankes Tier vorstellen. Die Behandlung ist gratis und geht auf Kosten des Onkels.

Wir werden traditionell bekocht, essen mit den Händen von Bananenblättern und fahren mit dem Traktor. Man erklärt uns viel Interessantes über deren Bio-Landwirtschaft. Die Kühe sind heilig, sie werden als Ackerlandhelfer eingesetzt und geben Milch. Man nutzt ihren Mist als Bio-Dünger. Tagsüber laufen sie frei, gegen Mittag bindet man sie an im Schatten und gibt ihnen Kraftfutter aus Algen, die neben verschiedene Linsen und Wassernüssen hier angebaut werden, zu fressen. Gemolken wird per Hand. Wenn die Tage einer Kuh gezählt sind und sie stirbt, wird sie auf dem Tierfriedhof beerdigt. Geschlachtet wird hier nichts, denn die Farmer sind Vegetarier.

Die freilaufenden Kühe in den Großstädten haben übrigens meist Besitzer, aber die sind zu arm, der Kuh Futter geben zu können. Deswegen laufen sie frei in der Stadt herum und ernähren sich vom umherliegenden Müll. Viele Kühe sterben an verschluckten Plastikteilen. Kein wirklich schönes Leben... In einigen Bundesstaaten Indiens ist es üblich, Rindfleisch zu essen, in anderen unter Strafe verboten.

An Festtagen (und davon gibt es viele) werden Hörner und Fell der Tiere mit natürlichen Farben bunt bemalt. Kühe gehören einfach zum Alltag Indiens.

Indische Pizza

Wir verlassen die Farm und landen in einem Dorf irgendwo im nirgendwo, 15 km außerhalb von Auroville, unserem nächsten Ziel.

Am Abend gestaltet sich die Nahrungsbeschaffung etwas schwierig. Das einzige Restaurant ist 700 m entfernt, schwarze Nacht, keine Laternen, mein Handy ist fast leer, überall wilde, kläffende Hunde und der Weg dahin ein holpriger Pfad unter Kokosnuss Palmen, die einen erschlagen könnten.

Wir entdecken eine Hütte, die mit „Pizza“ wirbt. Der gemauerter Pizzaofen verspricht einen vollen Magen. Was fehlt, ist der typische Pizzageruch... Wir feixen, dass im Ofen wahrscheinlich 20 Teelichter brennen oder eine Mikrowelle steht.

Eine Inderin in einem hübschen Sari bereitet eine Pizza vor und legt den Rohling auf einen Metallschieber. Meine Neugier befiehlt mir, ihr aus der Nähe zuzusehen und ich stelle mich hinter sie, um einen Blick in den Ofen erhaschen zu können. Darin liegen 3 kleine Scheite Holz, an denen ein paar traurige Flämmchen züngeln. Sie hält den Brotschieber über die Flammen und versucht so die Pizza zu backen... nach einer halben Stunde serviert sie sie einem alten Mann, der geduldig in seiner Ecke gewartet hat. Die Pizza ist noch fast roh und der Alte isst tapfer 3/4 davon… Die Magenschmerzen nach dem Genuss von fast rohem Hefeteig, die ihm heute Nacht bevorstehen, möchten wir nicht haben...

Ein deutsches Pärchen mit einem Mofa setzt sich neben uns. Sie sind seit Monaten unterwegs und wir entnehmen ihrem Dialog, dass das Geld knapp geworden ist. Sie gehen wieder ohne etwas zu bestellen und ich streiche ganz klar von meiner Liste *1000 things I have to do before I die* den Punkt „ohne Geld in Indien monatelang unterwegs sein“...

Wir belassen es hier bei einem Tee. Wenigstens konnte ich hier mein Handy laden, sodass wir für den Heimweg Licht haben.

Wir erinnern uns an eine Hütte, die Obst feil bot. Dort kaufen wir 2 Bananen und 4 Mandarinen Früchte die man schälen kann sind ok. Cook it, fry it, peel it or forget it! Ein etwas karges Abendessen, aber lieber ein bisschen Diät als Schmerzen.

Indiana Jones und der Premierminister

Wir wohnen 2 Nächte bei Kedar in seinem Wunderhaus, ein Dornröschenschloss im Hundertwasser Stil, das sich durch ein spezielles Öko- und Recycling System auszeichnet. Alte Flaschen werden wie bunte Glasbausteine verwendet, Blechdosen säumen die Beete, der Koi-Teich ist glasklar durch bestimmte Wasserpflanzen und viele liebevolle, verrückte Kunstelemente finden sich im ganzen Haus. Es wird komplett durch Solar gespeist, gekocht wird auf Gas. Ein wundervoller und sauberer Ort! Er passt zum Spirit der Stadt Auroville.

Auroville ist eine geplante Stadt aus den 68ern. Sie sollte entstehen um Menschen verschiedener Nationen ein zu Hause zu geben und sie friedlich miteinander leben zu lassen, wenn sie denn bereit seien, dem Göttlichen Bewusstsein zu dienen, so die Stadt-Gründerin Mira Alfassa. Derzeit leben knapp 3000 Menschen aus 53 Nationen in Auroville. Einwohner, die ohne Einkommen sind, können sich durch Mithilfe bei städtischen Tätigkeiten ihren Unterhalt verdienen. Quasi ein stadtinternes Sozialamt, das auf Gegenleistung basiert.

Der Premierminister Indiens macht uns einen Strich durch die Rechnung. Er besucht Auroville ausgerechnet an dem Tag, an dem wir das tun wollten. Somit ist die Stadt hermetisch abgeriegelt und keiner kommt hinein. Ein B-Plan muss her! Wir fragen den Hausherrn nach Möglichkeiten.

Kedar erkundigt sich, ob wir Motorrad fahren können und drückt uns die Schlüssel seiner AVENGER Baujahr 19hundertschiessmichtot in die Hand. Natürlich können wir NICHT widerstehen!

An den Linksverkehr haben wir uns längst gewöhnt, Verkehrszeichen und Regeln gibt es keine außer der stärker motorisierte hat Priorität, Kühe haben Vorfahrt und hupe, was das Zeug hält, wenn Du dich jemandem näherst. Eine 5-köpfige Familie passt ebenso problemlos auf einen Roller wie ein ganzer Tupperware-Laden, Führerschein bekommt jeder, der einen Zündschlüssel umdrehen kann, wenn man keinen hat, ist es aber auch egal.

Und los... ein Gefühl wie Indiana Jones, der einen Gastauftritt im Film Easy Rider gibt!

Wir fahren erst an den Strand, sehen den Fischern zu und cruisen dann weit ins Land hinein auf eine Felsformation zu. Treppen führen hinauf und ich MUSS wissen, was da oben ist! Ich frage mich, warum Asien für mich eigentlich immer mit unzähligen Treppen steigen verbunden ist und  steige hinauf. Einige hundert Treppen später werden wir mit einem herrlichen Ausblick belohnt und entdecken einen alten Tempel. Ein betagter Hindu wäscht sich davor in einem Regenauffangbecken und ich muss schmunzelnd an den alten Indianer denken, der im Film immer die Grabkammer schützen muss. Gemeinsam mit ihm steigen wir wieder ab.

Der Magen knurrt, aber wir sind wieder in einer „iss-hier-ja-nichts“ Gegend… Erneut ist ein Obststand mit schälbaren Früchten unsere Rettung!

Nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir am Strandrestaurant an, das Kedar empfohlen hat. Köstliches südindisches Curry stillt den Kohldampf und wir stellen fest, dass die Sonne uns ordentlich eine auf den Pelz gebrannt hat.

Zuhause teile ich mir die Dusche noch mit einem Frosch, der empört davon hüpft und wir fallen müde ins Bett.

mit dem Motorrad durch Indien ✅ abgehakt auf meiner Liste!

Keralas Backwaters

Wieder sitzen wir geschlagene 7 Stunden im Auto, um von Pondicherry nach Bangalore zurückzukehren. Wir kommen spätabends an, packen die Koffer und am nächsten morgen um 03:30 Uhr geht es zum Flughafen. Unser nächstes Ziel: der Staat Kerala an der Süd-Westküste mit seinen Backwaters. Wir fliegen eine gute Stunde, chartern uns ein Cab und erreichen nach weiteren 2 Stunden unser Ziel.

Wir wohnen diesmal in einer Suite auf einem Floß! Auf zwei Ebenen haben wir Wohnzimmer, Schlafzimmer, Terrasse und Badezimmer. Letzteres macht uns sehr glücklich: lauwarmes Wasser, Shampoo, Toilettenpapier... Luxus pur! Die Matratze ist eine Wohltat und für Inder sicher ein Albtraum, denn die schwören auf harten Untergrund. Bisher waren die Matratzen eher so etwas wie ein Sperrholzbrett mit dickem Teppich drauf genagelt.

Das schwimmende Hotel liegt in den Backwaters und ist weit abgeschieden von allem - wir genießen die Ruhe.

Tags darauf verlassen wir das schwimmende Resort, fahren ein Stück Richtung Süden und checken in ein ganz neues, in Form eines Bootes erbautes Hotel ein. Nach 3 Wochen ist es genug der abenteuerlichen Unterkünfte, wir möchten wieder erholt schlafen, uns mit warmem Wasser waschen und halbwegs gewohnten Standard genießen.

Die Backwaters teilen die Gegend in viele kleine Inseln. Man nimmt am einfachsten die öffentliche Fähre für umgerechnet 3 Cent pro Person, um von einer Insel zur anderen zu gelangen.

Der Staat Kerala hat seit 2014 ein Alkoholverbot erlassen. Nur wenige Restaurants und Hotels haben eine Alkohol Lizenz. Unser Hotel hat trotz seiner 5 Sterne leider keine. Wir setzen über nach Fort Cochin und finden ein Restaurant, wo wir uns bei 37 Grad ein kühles Bier schmecken lassen können. Der Laden ist VOLL mit Engländern und Franzosen, die auch Durst haben :-) die Kolonialzeit lässt grüßen.

Wieder einmal stellen wir fest, dass man Indien nicht verstehen, sondern nur hinnehmen kann, wie es eben ist. Ich kenne kein Land mit einer höheren Luft- und Umweltverschmutzung! Der Ansatz einer Petrischale nach einem Abstrich von einem Imbiss-Tisch ergäbe vermutlich einen Pilz mit atomaren Ausmaßen binnen 12 Stunden und sie verbieten allen Ernstes Rauchen und Alkohol, weil es ja so gesundheitsschädlich ist…

Wir besuchen LuLu, Indiens größte Shopping Mall mit knapp 10 Hektar Verkaufsfläche. Sie unterscheidet sich nur durch die angebotenen Waren, ist aber ansonsten genau so chick und picobello sauber wie das Olympia Einkaufszentrum in München. Und damit auf der Toilette mit moderner, europäischer Kloschüssel nichts schief geht, gibt es ein Hinweisschild, das die Benutzung einer westlichen Kloschüssel erklärt.

Hier kauft der Inder der gehobenen Mittelschicht. Im obersten Stock gibt es einen Freizeitpark mit Autoscooter und diversen Fahrgeschäften. Die Preise sind für hiesige Verhältnisse gesalzen.

Wir entdecken vom obersten Stockwerk aus eine Metro Bahn hoch über den Straßen und erkunden damit die Stadt. Die Waggons ebenso wie die Bahnhöfe sind nagelneu und sauberer als alles, was ich an U- und S-Bahnen kenne. Die Bahn wird aber nur schwach frequentiert obwohl erschwinglich und auch hier ist nur der Besser-Verdiener als Fahrgast zu sehen. Ist Sauberkeit den meisten Indern unheimlich oder bevorzugt man schlichtweg das gute alte TukTuk?

Verfall und Prunk wohnt Tür an Tür und es hat schon eine gewisse Magie, aber ich verstehe immer noch nicht, warum die Menschen hier Häuser verfallen lassen und lieber in provisorischen Hütten oder Zelten leben.

Eine Perle und 1000 Boote in den Backwaters

Wir verlassen Cochin Richtung Alleppey, eine Hafenstadt an den Backwaters. Das Netz dieser Flusslandschaft erstreckt sich über 1500 km. In diesen unendlichen Kanälen mit einem Hausboot zu fahren ist unser erklärtes Ziel...

Wir fahren ca. 2 Stunden, bis mein Navi mir sagt, wir haben die Zivilisation - mal wieder - verlassen. Wir holpern über eine Art Pfad, der sich wie eine Schlange durch den Urwald windet, vorbei an vielen kleinen Hütten.

Englisch kann man hier völlig vergessen, alles steht nur noch in irgendeiner der ca. 200 indischen Sprachen angeschrieben. Ein kleiner Laden zeigt bildhaft das Innere eines Menschen ohne Arme. Dorfarzt oder Chirurg? Weit gefehlt, es ist ein FISCHGESCHÄFT…

Wir zweifeln, ob wir hier wirklich richtig sind, stehen aber letztlich vor den Toren des Resorts.

Dahinter liegt ein Paradies!

Es sei uns vergönnt, wir haben eine wahre Perle entdeckt. Der Blick vom verglasten Balkon der Suite schweift vom Pool durch Palmen hindurch über den See und fällt auf Fischer in ihren Kanus. Ein feeling wie in der Südsee!

Das Äußere des SPA Bereichs ist einem Walfisch nachempfunden und ich denke an Captain Ahab, wie er im Bauch von Moby Dick seinem 1. Maat eine Gurkenmaske auflegt :-) Das Dinner haut uns aus den Socken. Wir beschließen, 3 Nächte hier zu bleiben.

Tags drauf begeben wir uns per TukTuk nach Alleppey, um indische Seide zu erstehen. Das Vorhaben geben wir nach ein paar Läden entnervt auf... es geht zu wie auf dem türkischen Bazar, die Souvenirläden offerieren alle den selben Ramsch, die Stadt stinkt zum Himmel und der Verkehr ist unerträglich. Alte indische Handarbeitskunst völlige Fehlanzeige.

Wir wollen lieber eines der Hausboote chartern. Am Hafen angelangt, erschlägt uns das Angebot komplett. Es sind hunderte und wir sehen später noch viele 100 mehr auf dem See. Es verspricht so tiefenentspannt wie eine Taxifahrt zur Rushhour durch Peking zu werden.

Wir entscheiden uns für ein kleines Kanu-ähnliches überdachtes Boot, das auch die schmaleren Kanäle beschiffen  kann. Eine gute Entscheidung, wie die Fotos beweisen.

Wir genießen die Bootstour, sehen Frauen Wäsche im Fluss waschen, Kinder baden, Männer angeln... das tägliche Leben der Menschen in den Backwaters mutet idyllisch an. Das Wasser ist fischreich, hungern muss hier niemand.

Wir legen mit unserem Kanu direkt am Steg des Hotels an, Garten Eden erwartet uns und Indiens täglicher Wahnsinn bleibt draußen.

Schock zu guter letzt und Abschied von Indien

Wir fliegen zurück nach Bangalore, um noch eine Nacht bei unseren Freunden zu verbringen und dann in der kommenden Nacht über Frankfurt nach Palma zu fliegen.

Auch unser letzter Shopping Versuch scheitert. Unsere Vorstellung der alten Handwerkskunst und wundervoller indischer Seide weicht der düsteren Realität. Ramsch aus China, Pakistan  und weiß-der-Kuckuck-woher, billige Viskose Tücher bis zum Abwinken, aber nicht im Ansatz ein Hauch von dem, was Bollywood uns vorgaukelt. Man kann sich zwar Saris schneidern lassen, aber es gibt nichts Außergewöhnliches, was in Europa tragbar wäre.

Natürlich können wir Indien NICHT ohne einen Verkehrsunfall verlassen... der Fahrer vor uns bremst abrupt und unser Taxi fährt hinten auf. Ich war mangels Gurtschnalle natürlich auch NICHT angeschnallt auf der Rücksitzbank. Die Lehne des Vordersitzes fängt mich aber ab und es ist nichts weiter passiert, nur Blechschaden in dem völlig irrsinnigen Straßenverkehr hier. Glück gehabt...

Eine Eigenheit der Inder ist es, nichts auszupacken. Somit sind auch die Autositze oft noch in Plastik verpackt, so wie sie aus der Fabrik kommen. Daher war es nicht möglich, an die Gurtschnalle zu gelangen.

Ebenso verfahren sie übrigens mit Möbeln. Man sitzt oft genug auf noch fabrikneu in Plastik verpackten Sesseln (ultra angenehm bei 37 Grad, das Plastik auf schweißnasser Haut pappen zu haben).

Das Höchste war in Goa, als ich früh um 6 Uhr entnervt nach einer unbequemen Nacht aus dem Bett sprang, mein Taschenmesser vorkramte  und die Plastik-Verpackung der Matratze aufschlitzte, die unter dem Laken zum Vorschein kam.

FAZIT

Nun, 4 Wochen Indien waren vieles, aber eines sicher nicht: langweilig!

Es gibt viele Adjektive um Indien zu beschreiben, aber das eine, das sich durchgesetzt hat, passt in der Tat am besten: INCREDIBLE INDIA ...

Indien ist schlichtweg unglaublich und man muss es selbst erlebt, gehört, geschmeckt und erfahren haben. Ich habe noch nie so oft in meinem Leben gedacht „...nicht euer Ernst...“ wie hier. Unglaublich bunt, kurios, duftend, stinkend, arm, reich, schmutzig, warmherzig, gastfreundlich, heiß... all das und vieles mehr ist Indien. Es hat eine sehr herbe Schönheit. Hindus kann man als Europäer nicht verstehen, man kann sie nur akzeptieren wie sie sind. Aber leben könnten wir hier niemals und Reis können wir auch keinen mehr sehen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem kleinen Erlebnisbericht mitnehmen auf meine insgesamt 20.000 km lange Reise! Ihr wart für mich immer mit dabei, saßt hinter mir auf dem Motorrad, neben mir im Jeep auf Safari, auf dem Boot und im Flugzeug...

Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht, die Reise mit euch zu teilen.

Aber jetzt freue ich mich auf das kristallklare Wasser und den azurblauen Himmel Mallorcas, wo ich zu Hause bin.

Bis zur nächsten Reise, ich nehm Euch gerne wieder mit, wenn ihr wollt! Lasst euch überraschen… :-)

Eure Manuela


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