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Süd-Indien Februar 2018

Aktualisiert: 10. Apr. 2021

Die Bilder-Galerie findet ihr am Ende des Beitrages!


Nach einer anstrengenden Saison planten wir für den Winter eine einmonatige Auszeit in Indien. Wir hatte Freundschaft geschlossen mit indischen Gästen, die ihre Flitterwochen bei uns auf Mallorca verbrachten. Eine Gegeneinladung ward ausgesprochen und nach einer gründlichen Planungsphase starteten wir in das „Abenteuer Indien“.


Die Fotoserie findet ihr am Ende des Berichts!

Ein Monat Abenteuer in Indien

Indien, wir kommen…

Wir starten am 7. Februar 2018 in unserer Wahlheimat Mallorca, fliegen nach Frankfurt und tags darauf weiter mit einem Lufthansa Direktflug nach Indien.

Nach einem ruhigen und angenehmen Flug landen wir um 2 Uhr nachts in Bangalore. Die Einreise nach Indien entpuppt sich als nicht ganz unproblematisch, da ich offensichtlich das falsche Dokument ausgedruckt hatte. Nicht weiter schlimm, denn mein Iphone weiß ALLES und hat glücklicherweise das richtige Dokument in seinem E-mail Speicher. Wir dürfen passieren, grüßen höflich die mürrischen Einreise-Beamten und atmen zum ersten Mal indische Luft.

Nun, Bangalore ist jetzt nicht gerade ein Luftkurort... Es riecht nach Abgasen und mir kommt der Skandal über beschönigte Abgaswerte namhafter deutscher Automobilhersteller in den Sinn. Meine Nase bescheinigt mir, im Vergleich zu dem, was die Motoren hier ausstoßen, ist das geradezu grotesk.

Wir winken ein Taxi heran, lassen uns nach Bangalore bringen und suchen zusammen mit dem Fahrer das Haus unserer Freunde Shankar und Pryia. Zur Verdeutlichung: Bangalore hat 8,5 Millionen Einwohner lt. Wikipedia, aber man belehrt uns eines besseren und korrigiert die Zahl auf ca. 16 Millionen. Ich muss belustigt daran zurückdenken, wie ich mit meinem damals 60-jährigen Vater und 2 Trollies im Schlepptau die Inhaberin eines Bed&Breakfast in London, Mrs. Miller (ein eher „seltener“ englischer Name *ACHTUNG IRONIE*) gesucht habe und stelle fest, dass das bei weitem einfacher war… Dank Google Maps und meiner generalstabsmäßigen Planung kostet mich das Dirigieren des Taxifahrers (der seit geraumer Zeit hilflos umherirrt) per Handy-GPS mit meinem spanischem Mobilfunkvertrag auch nur 100€, was ich einer SMS meines Anbieters am nächsten Tag entnehme. Ich werde mir also schleunigst eine indische SIM-Karte besorgen…

Bangalore

Nach einem herzlichen Wiedersehen mit unseren indischen Freunden und einer kurzen Nacht schauen wir uns nun Bangalore bei Tag an. Es ist aufregend hier! Die Gefahr, an schlimmen Krankheiten zu sterben, ist gering im Vergleich zum Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalles! Der Straßenverkehr ist die Hölle, und mittendrin in der Rushhour stehen… Kühe - so ruhig als grasten sie auf der Weide. An Fahrrad fahren geschweige denn was Motorisiertes ist hier als Europäer nicht im Traum dran zu denken - über die Straße laufen ist schon lebensgefährlich! Wir genießen den Abend zusammen mit Shankar und Pryia in einem tollen Restaurant mit Blick über die Dächer Bangalors und freuen uns auf die Wochen, die vor uns liegen.

Bandipur Safari Lodge

Ein Cab (Auto mit Fahrer) fährt uns von Bangalore nach Bandipur. Die Fahrt dauert 4,5 Stunden und wir sehen viel vom ländlichen Indien. Angekommen im Tiger Camp, checken wir ein in unsere Lodge und freuen uns auf die abendliche Safari im Dämmerlicht. In der Hotel Lobby hängen tolle Fotos von den letzten wild lebenden indischen Tigern, die man hier wohl noch zu sehen bekommen soll.

Mit Besteigen des Safari-Jeeps fängt es an zu regnen und hört für die komplette Dauer der Safari nicht mehr auf! Natürlich sind wir nur mit T-Shirt und dünner Hose bekleidet. Pudelnass und durchgefroren kehren wir zurück in die Safari Lodge. Der angepriesene Tiger… Fehlanzeige. Nur immer wieder der Hinweis, dass man letzten Monat einen gesehen habe. Wir beschließen, wir würden auch keinem Touristen erzählen, dass der letzte Tiger schon lange ausgewandert ist :-) die Tatsache, dass die Wildhüter, die die Jeeps fahren, keinerlei Waffen, Betäubungsgewehre oder sonst was dabei hatten, bestärkt uns in unserem Glauben.

Auch die Safari am nächsten Morgen beschert uns keine Tiger-Sichtung. Dafür werden wir entschädigt mit einer unglaublich mystischen Stimmung in der Morgendämmerung im Regenwald. Fast surreal wirkt der dichte Dschungel, viele fremdartige Vögel flattern auf, Rotwild wechselt, wir sind von der Schönheit der Natur hin und weg… Sonnenaufgang im indischen Regenwald!

Mysore

Wir fahren weiter nach Mysore (ca. 2 Mio Einwohner) und checken ein in ein geschichtsträchtiges Backpacker Haus aus dem Jahre 1907. Zum ersten Mal sehen wir in Indien weiße Gesichter aus allen möglichen Nationen - Europäer, Australier, Südafrikaner… hier steigt scheinbar jeder ab, der mit Rucksack unterwegs ist. Das Haus hat Flair. Man gewinnt den Eindruck, ein jeder Reisender hat sich hier in irgendeiner Form verewigt, sei es durch Wandgemälde, an der Wand hängende Instrumente, Graffitis oder Tonfiguren.

Der nächste Tag fängt früh um 5 Uhr an. Wir steigen 1000 Stufen zum Chamumdi Hill Temple hinauf. Ich erinnere mich während des Aufstiegs an den Adams Peak in Sri Lanka, den ich 2008 erklommen habe - nur hatte der 5200 Stufen… es ist nicht einfach nur Treppensteigen, es ist eine Art Pilgerwanderung zusammen mit vielen gläubigen Buddhisten. Monotoner Singsang eines heiligen Mantras begleitet uns. Einige tragen Farbbeutelchen mit sich und markieren gebückt jede (!) der 1000 Stufen mit einem Farbtupfer. Wir erreichen das Kloster bei Sonnenaufgang, lassen die Ruhe dieses Ortes auf uns wirken und steigen wieder hinab, um uns bei einem Frühstück bei der Tante unserer Gastgeber zu laben. Die nette ältere Dame, die früher die hiesige Schule geleitet hat, ist 62 und läuft diesen Berg JEDE WOCHE einmal hoch zur körperlichen Ertüchtigung. Ihr Arzt hat Ihr das als Vorbeugung gegen altersbedingte Krankheiten geraten.

Wir verabschieden uns pappsatt und erkunden Mysore auf eigene Faust und besichtigen den Palace of Mysore und den Devaraja-Market. Man bewegt sich in der Stadt mit Tuk Tuks, motorisierte Dreiräder mit Mofamotor und Kabine für 2 Personen. Die Kosten für eine Fahrt in der Stadt liegen bei ca. 40 Cent. Es gibt 1000e von den Dingern. Du kriegst immer eins. Die Fahrt ist Abenteuer pur!

Dubare Elephant Camp

Wir verlassen Mysore.

Auf unserem Weg besuchen wir ein Kloster, nehmen teil an einer buddhistischen Zeremonie und am gemeinsamen Mittagessen. Wir nehmen einen Blechteller entgegen, gehen zu einer Art Gulaschkanone, wo man uns Reis und Curry auftut und gesellen uns zu den Gläubigen. Wir sitzen zusammen auf der Klostermauer und versuchen, es den Indern gleich zu tun, die geschickt mit ihren Händen Sauce und Reis vermengen und sich die kleinen Häufchen in den Mund schieben. Es sieht viel leichter aus als es ist. Wir werden - wie noch so oft - um Selfies mit den Indern gebeten. Nach dem Essen waschen wir den Blechteller unter fliesendem Wasser, verabschieden uns von den Mönchen und fahren weiter zum Elefanten Camp.

Wir beziehen unsere Hütte, die direkt am Wasser liegt. Warnschilder laden zu einem Bad mit den dort lebenden Krokodilen ein… wir bevorzugen die Dusche, denn gleich geht’s wieder auf Safari.

Mit einem klapprigen Jeep holpern wir quer durch den Dschungel. Nach einer gefühlten Ewigkeit und vielen Vogelbeobachtungen stoppt der Jeep abrupt und wir erblicken einen wilden Elefantenbullen im dichten Regenwald. Er lässt sich durch uns nicht stören und labt sich an den Blättern eines Baumes. Wir sehen ihm gebannt eine Weile zu und setzen unsere Fahrt fort. Ein Bison lässt sich noch kurz blicken und wir erleben wieder ein paar Wildwechsel einer einheimischen Hirschart, die wir schon bei der letzten Safari gesichtet hatten.

Am nächsten Morgen dürfen wir den Mahuts, so nennt man die Pfleger der Elefanten, beim Waschen der Riesen helfen. Die Elefanten sind unfassbar groß und wir nehmen mit großem Respekt Körperkontakt zu den Tieren auf. Die hier ansässigen Mahuts sind ein eigener Volksstamm, die nie eine Schule besucht haben. Sie leben mit ihren Familien etwas außerhalb des Camps und kümmern sich um die Tiere. Jeder Elefant hat 2 Mahuts, falls einer mal ausfällt. Die Tiere lassen niemand anderen an sich heran ohne ihren Mahut. Es gibt 1-2 mal jährlich schlimme Unfälle bei denen Mahuts zu Tode kommen, wenn die Elefanten in der Paarungszeit sind. Dann sind sie unberechenbar. Ein riskanter Job. Die Kinder der Einheimischen fangen mit 3 Jahren an, von alten Mahuts ausgebildet zu werden. Die Verbindung vom Elefant zu seinen beiden Mahuts dauert ein Leben lang.

Coorg, das Schottland Indiens

Wir fahren hinauf ins Gebirge und residieren für eine Nacht in einem Resort, das auf dem Gipfel des Regenwaldes thront. Der Ausblick ist schier unendlich und atemberaubend. Man nennt die Gegend um Coorg hier das Schottland Indiens. Es ist immer etwas neblig und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch.

Wir verlassen das Resort am nächsten Morgen und fahren noch kurz nach Coorg, um wilden Honig und Kaffee zu kaufen (dafür ist die Gegend bekannt). Wir sind die Exoten hier im Süden Indiens. Außer in dem Backpackerhaus in Mysore sehen wir nirgendwo Weiße. Immer wieder werden wir von Indern gefragt, ob sie ein Selfie mit uns aufnehmen dürfen.

Nun geht es erst 2,5 Stunden mit dem Auto und dann 3 Stunden mit dem Zug weiter nach Bangalore, zurück zur Basisstation bei unseren Freunden. Wir fahren durch Kleinstädte und Dörfer. Aus dem Autofenster fange ich das normale, tägliche, ländliche Leben im Foto ein.

Die indische Bahnhofstoilette im Warteraum 1. Klasse für Damen ist erstaunlich sauber, aber es gibt wie überall in Indien kein Toilettenpapier, nur einen Wasserhahn, einen Eimer mit Wasser und einen kleinen Becher. Die Tante unserer Freunde hat mich mit der Handhabung indischer Toiletten vertraut gemacht und mir deren hygienische Vorzüge erklärt. Ich beuge mich der vorhandenen Realität und lerne damit umzugehen.

Den richtigen Zug zu erwischen ist für uns Europäer nur möglich durch viel fragen und darauf vertrauen, dass einem die richtige Richtung gewiesen wird. Es ist fast alles in Sanskrit angeschrieben... Englisch wird meist nur unverständlich mit starkem indischen Akzent oder gar nicht gesprochen. Aber wir sitzen letztlich im richtigen Zug und er rollt, erstaunlich ruhig. Es ist ein „EXPRESS“, von der Schnelligkeit vergleichbar mit unserer Bummelbahn, wenn sie in den Bahnhof einfährt. Wir buchen Sitzplatzreservierung mit Aircondition, 1. Klasse. 145 km - 2 Personen - umgerechnet ca. 6€. Die Sitze gleichen denen einer ausrangierten „Tante U“ und sind entsprechend bequem… wir erreichen am Abend Bangalore. Es erwartet uns wieder nur eine kurze Nacht.

Goa - Himmel der Hippies

Das Taxi bringt uns um 03:45 morgens zum Airport. Wir nehmen die Morgenmaschine nach Goa, kleinster und reichster Bundesstaat Indiens und Geburtsstätte der Hippies in den 60ern. Nach einem einstündigen Flug fahren wir weitere 1,5 Stunden in den Norden Goas. Der Spirit hier ist völlig anders. Der Verkehr ist entspannter, es ist sauberer, der Taxifahrer hört Bob Marley... Hippie-Feeling kommt auf :-)

Wir kommen im Resort an und beziehen unsere Bambushütte, die wenige Meter vom indischen Ozean entfernt liegt. Es ist alles sehr sehr einfach gehalten. Den Tag verbringen wir schlafend am Strand und erholen uns vom Stress der Großstadt, den Abgasen und dem Lärm, bis der Halbmond am Himmel steht.

Und jetzt erst bemerken wir, dass ein Hammer die Mondsichel kreuzt und Nord Goa in traditioneller Manier übernommen hat...... die Speisekarte in Englisch und Russisch geschrieben bestätigt unsere Bef